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  • Barbara Luzi

Wandern mit der Seele

Radikale Aufgabenteilung – die Wanderung.

Meine Seele hat Humor, das stelle ich immer wieder fest. Eine Idee, eine Wanderung mit Coaching zu machen ist ja schön und gut. Aber was hat mich dazu gebracht, nach Slowenien zu fahren und eine Wanderung zu buchen auf der man 24 km an einem Tag schaffen musste? Und das bergauf- bergab?

Irgendwas zog mich und ich habe diese Wanderung auf meiner Webseite angeboten.

Einer meldete sich an und ich dachte: hui, jetzt wird es ernst.

Und dann meldeten sich noch zwei weitere an. Und dann kam neben der Aufregung Vorfreude auf. Training? Keine Zeit.

Eine anstrengende Wanderung ist eine Aufgabe die eine Gemeinschaft gemeinsam lösen muss. Es ist eine herausfordernde Aufgabe für jeden einzelnen und auch für den Zusammenhalt. Was läge näher, als genau hier die „Radikale Aufgabenteilung“ praktisch an zu wenden.

Ich habe noch vor der Reise die Aufgaben in der Gruppe verteilt. Jeder hat seine Aufgabe bekommen, die unsere gemeinsame Aufgabe diese Wanderung zu schaffen unterstützen sollte. Die Aufgaben habe ich nicht aus einer Liste gezogen, sie „kamen zu mir“ in Bildern und in Worten.

Ich habe gelernt, diesen Botschaften zu vertrauen, ich muss die Menschen um die es geht nicht kennen und ich muss auch die Hintergründe nicht wissen.

Die Aufgaben waren so etwas wie:

Ein Teilnehmer kümmert sich um Route und Rhythmus und bestimmt die Zeiten und Plätze der Pausen. Ein anderer sieht nach, ob wir alles mitgenommen haben und fasst zusammen, etc.

Ich habe dann nachgefragt um was es bei diesen Aufgaben geht und ein Thema zog sich durch:

Gemeinschaft anstatt Konkurrenz

Gemeinschaft ohne Konkurrenz

Zusammenhalt ohne Konkurrenz.

Aufgabenteilung löst Kontrollzwang auf

Zusammengefasst lief unsere Wanderung folgendermaßen mit der Aufgabenteilung:

Tag 1.: wir finden unsere Gruppe, unseren Rhythmus: Toll, wir sind so motiviert. Die Aufgabenteilung ist genial. Das klappt super, so eine schöne Gruppe, juhuuu!

Tag 2.: Erster Muskelkater, heute wollen wir mal alles bisschen langsamer angehen, die Landschaft ist sooo schön! Diese Aufteilung ist doch nicht so wichtig oder? Können wir nicht einfach JETZT Pause machen? Muss ich meine Aufgabe wirklich machen?

Tag 3.: Ohje, müssen wir WIRKLICH so früh aufstehen? 23 Kilometer? Wartet nicht auf mich…. Und dann kamen bei uns Egomuster, Programme, Projektionen, Ängste hoch. Das wird sicher öfter so sein. Es zischte, krachte únd knirschte auch in unseren Körpern. Aua.

Tag 4.: Ich habe ihn den archaischen Tag genannt. Der Aufstieg: Heftig, der Abstieg, verregnet und sooooooo laaaaaang. Und gleichzeitig kamen wir neu und anders zusammen, es hagelte Erkenntnisse, die Gruppe gab sich der Wanderung hin und auch den Aufgaben. Wow.

Tag 5: sind wir nicht gewandert, nur eine von uns ein bisschen. Dafür gab es Coachingsessions und tiefe Erkenntnisse. Und uns war klar: Die Reise ist noch nicht zu Ende. Wir alle hängen noch so einen Tag dran. Natürlich hatten wir alle ähnliche Themen und Schmerzen mit gebracht. Und natürlich waren wir auch Spiegel für einander.

Ich war ein Teil dieser Gruppe und ich hatte meine Aufgabe so wie jeder andere auch. Ich war nicht der Bergführer Sepp. Im Gegenteil. Ich hatte gedacht, meine Grundkondition sei ziemlich gut. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Der berührendste Moment für uns alle war das Schweigen und die Liebe nach der letzten Session um die ich selbst gebeten habe und in der ich mich mit einem meiner heikelsten Themen gezeigt habe.



In der gelebten „radikalen Aufgabenteilung“ gibt es keine Macht, ganz einfach weil jeder der Chef seines Zuständigkeitsbereichs ist. Und er bekommt dann auch entsprechend von den anderen die neidlose Anerkennung.

Das erfordert Übung – von beiden Seiten – und es erfordert auch Hingabe. Hingabe an die eigene Aufgabe sowie Hingabe an die Aufgabe der anderen.

Wird dabei etwas aufgegeben? Ja. Unser Ego kommt an Stellen, wo sich hartnäckige Muster zeigen. Widerstand, der Wunsch nach Kontrolle, alte Ängste, alte Verletzungen, all das kann und all das wird auftauchen.

Und diese „Haken“ dürfen auch gehen und einer bedingungslosen Liebe weichen. Und das ist die Herausforderung der „radikalen Aufgabenteilung“. Das ist auch eines ihrer Geschenke.

Wie kann das Ego im Einzelnen aussehen? Häufig geht es bei der „Radikalen Aufgabenteilung“ darum, ein „zu viel“ zu reduzieren. Mütter die es gewohnt sind, dass sie immer alles können müssen. Chefs, die meinen, dass sie alles am besten können und ihren Mitarbeitern so die Luft nehmen…. (und sie und die Mitarbeiter sind so sehr daran gewöhnt, dass sie noch nicht einmal mehr spüren, wie über- oder unterfordert und frustriert sie schon sind) dürfen sich plötzlich auf EINE Aufgabe konzentrieren und auf nichts anderes und sie dürfen darauf vertrauen, dass die anderen auch ihrer Aufgabe nachgehen.

Und dann gibt es natürlich auch die Zeitgenossen die sich daran gewöhnt haben, dass alles für sie gemacht wird…

Geht es der Gemeinschaft mit solchen „Talenten“ gut? Nein, aber wir haben uns an solche Arten von „Zusammenarbeit“ gewöhnt“.

Das muss nicht mehr sein. Denn jetzt gibt es „Radikale Aufgabenteilung“.

Sich vor zu nehmen: DIESE Aufgabe ist meine und ihr gebe ich mich hin… bringt dann häufig eine neue kindliche Freude. Es ist die Freude, sich einbringen zu können und gesehen/gehört zu werden. Und sieht man auch den Widerständen in die Augen und übernimmt 100%ig Verantwortung, stellt sich neben dieser Freude, Liebe und Hingabe ein. Ich habe das auf der Wanderung als magisch und auch als sehr erfüllend empfunden.

Eine spannende Erkenntnis für mich ist, dass die Aufgaben sich mit der Konstellation einer Gruppe und auch mit der Zeit sicherlich ändern. Daher bleibt es ewig spannend und wir dürfen uns freuen auf die lebendige Bildung liebevoller Gemeinschaften im Namen der „radikalen Aufgabenteilung“.

Mir ist heute klar geworden, dass ich das schon gelebt habe bei meinen Drehs. Als Regisseurin habe ich den Flow genossen der entstand, wenn jeder seine Qualität einbringen durfte, ohne dass ich Druck ausüben- oder ständig Ansagen machen musste. Ich habe den Raum gehalten und vertraut. Das war auch bei den Filmen sichtbar.

Es kann auch sein, dass die gegebene Aufgabe eine Qualität des Menschen zeigt, er sie aber „ablegen“ wollte, weil er damit schon schlechte Erfahrungen gemacht haben will. So ein Teilnehmer meiner Wandergruppe. Die Aufgabe war grob umrissen Fürsorge. Und der Teilnehmer sagte, dass genau diese Qualität immer ausgenutzt wurde. Es zeigte sich dann, dass sich die Fürsorge bisher auf die anderen bezog und nicht auf sich selber. Und genau das war jetzt die Aufgabe in dieser Wander-Gemeinschaft. Liebe deinen nächsten wie dich selbst. Eben genauso. Das heißt also ganz radikal, dass die bisherige Fürsorge gar keine echte war. Sie war vorgetäuscht, denn sie galt nicht für sich selbst. Der Teilnehmer hat gelernt, auf seinen Rhythmus zu hören, in seinem Rhythmus zu wandern, für sich zu sorgen. Und er lernt, sich selbst als Teil der Gruppe zu sehen.

Es bleibt spannend und wir dürfen uns freuen auf die lebendige Bildung liebevoller Gemeinschaften im Namen der "radikalen Aufgabenteilung".


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